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Die Ortsgruppe Mainburg des Bund Naturschutz veranstaltete ihre Jahreshauptversammlung im Zeichen des Volksbegehrens „Rettet die Bienen – Stoppt das Artensterben“.

Bund Naturschutz hilft Wildbienen

Das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ wird mit aller Kraft unterstützt -

Die Ortsgruppe Mainburg des Bund Naturschutz veranstaltete ihre Jahreshauptversammlung im Zeichen des Volksbegehrens „Rettet die Bienen – Stoppt das Artensterben“. Nach dem Rückblick auf das vergangene Jahr und der Planung für 2019 informierte Ortsvorsitzender Konrad Pöppel zu den Zielen dieses aus Naturschutzsicht sehr wichtigen Referendums und appellierte an die Mitglieder, zum einen selbst zu unterschreiben aber auch möglichst viele Freunde und Bekannte zur Unterschrift zu motivieren.

Am 24.01.2019 trafen sich die örtlichen Bund Naturschutz-Mitglieder zur Jahreshauptversammlung im Gasthof Seidlbräu. Vorsitzender Konrad Pöppel konnte neben dem Ortsgruppenvorstand auch Stadtrat Georg Kolmeder und eine Anzahl interessierter Mitglieder willkommen heißen. Ein besonderer Gruß und Dank galt Renate Buchberger vom Stadtmuseum Mainburg, denn in den Räumlichkeiten wird ab dem 28.04.2019 eine Ausstellung zum Thema „Klimawandel – eine globale Herausforderung“ gezeigt.

Dem Vorstandsmitglied Anne Wimmer wurde für die immer hervorragend organisierte Raunachtwanderung und ihrem Kartoffelackerprojekt gedankt. Es wurden teils mit dem Landschaftspflegeverein VöF sehr gut besuchte „Naturkundliche Wanderungen“ durchgeführt. Zwei Termine zusammen mit dem eigenen Naturbildungsprojekt „Radula“ begeisterten die Kinder in der VHS Kinderuni. Thema war das Leben und die Unterscheidung von Wildbienen. Der im Herbst von Judith Knittl gehaltene Vortrag zum Thema „Libellen im Landkreis Kelheim“ stieß auf großes Interesse. In Aiglsbach wurde auch ein Krötenzaun aufgestellt und betreut und neben anderen Tierschutzaktionen der Mainburger Jungstorch zusammen mit dem Alois Eisenhofer und der Feuerwehr wieder in sein Nest gestellt. Bei umfangreichen Begehungen von Naturflächen im südlichen Landkreis konnte Vorsitzender Konrad Pöppel einige Erstfunde zu Tier- und Pflanzenarten machen, was insbesondere für das Pflegemanagement dieser Flächen von Bedeutung ist. Er äußerte auch den Wunsch, dass lokale Artenkenner besondere Naturbeobachtungen an ihn oder die Untere Naturschutzbehörde weitergeben, um bei Bedarf Schutzmaßnahmen einleiten zu können.

In 2019 werden wieder naturkundliche Wanderungen angeboten. Ein neues Profil sind zwei Picknickwanderungen an Sommerabenden. Organisiert werden auch wieder Vorträge. Ein Schwerpunkt in diesem Jahr ist die Suche nach seltenen Arten in der Mainburger Umgebung. So möchten die Naturschützer Meldungen von Gelbbauchunken (Bombina variegata), einem Froschlurch, im Attenhofener Tannet bestätigen oder die Ausbreitung der „Blauflügeligen Ödlandschrecke“ (Oedipoda caerulescens), einer Heuschreckenart, im Raum Mainburg untersuchen. Zu diesen Nachforschungen werden Artenkenner gesucht oder Personen, die Artenkenner werden wollen. Gerne können sich diese bei der Ortsgruppe Mainburg melden.

 

VOLKSBEGEHREN:

Zur Einstimmung auf den Vortrag zum Volksbegehren zeigte der Referent mit einige Wildbienenaufnahmen aus der Hallertau deren Schönheit und Verschiedenartigkeit.

Wie kam es denn zum Volksbegehren „Rettet die Bienen – Stoppt das Artensterben!“? Im Oktober wurde durch die ÖDP ein Zulassungsantrag mit ca. 100 000 Unterschriften für ein Volksbegehren eingereicht und durch das bayerische Innenministerium genehmigt. Das Volksbegehren wird mittlerweile sehr breit von Vereinen, Verbänden, Parteien und Privatpersonen unterstützt. Auslöser für die Initiatoren ist ein seit Jahrzehnten anhaltendes dramatisches Artensterben auch in Bayern. Die „Krefelder Studie“ musste in 63 Schutzgebieten ein durchschnittlicher Rückgang der Insekten-Biomasse von 1989 bis heute von ca. 76 % feststellen. Wird bis in die Nachkriegszeit zurückgegangen ist laut Konrad Pöppel ein Verlust von über 95 % anzunehmen.  Schon von Anfang der 1940iger bis Anfang der 1970iger Jahre wurde mit DDT vor Ort neben vielen anderen Insekten der Maikäfer zum Verschwinden gebracht. Erst der zweifelsfreie Nachweis des Zusammenhangs von DDT mit einem großen Greifvogelsterben und einer krebserregenden Wirkung brachte ein Verbot. Seit Anfang der 1990iger Jahre werden nun neben Glyphosat sogenannte „Neonikotinoide“ in der Landwirtschaft, aber auch in Privatgärten, eingesetzt. Die Wirkung (von Neonikotinoiden) auf die Gesundheit von Wildbienen ist vereinfacht gesagt viel stärker als die von DDT. Von diesen schwer abbaubaren Produkten gelangen etwa 94 % in Boden und Grundwasser (Quelle: Bund Naturschutz).

Neben den Umweltgiften gibt es auch viele andere Faktoren für den Rückgang von Tier- und Pflanzenarten. Das Land wird zunehmend versiegelt und zersiedelt. Die Landbewirtschaftung wird – egal ob Wiese, Feld oder Wald – immer mehr intensiviert. Lebensräume für unsere Mitgeschöpfe werden immer mehr entwertet und isoliert. Es fehlt an Verbundstrukturen.

Am dramatischsten ist die Entwicklung beim Grünland. Fünfmal mähen ist die Regel. Die Wiesen werden stark gedüngt und mit Turbogräsern umgebaut. Es wird schon früh im Jahr gemäht. Nicht mal mehr Randstreifen hin zum Feldweg oder zum Waldrand werden belassen. Das Fazit ist: Wildblumen kommen nicht mehr zum Blühen und verschwinden. Gleichzeitig verschwinden die Insekten und dann die Feldvögel, z.B. das Rebhuhn.

Wie kann nun eine Landesregierung einen Beitrag zum Stopp des Artenschwunds leisten? Auf acht kleingedruckten Seiten sind die zu ändernden Gesetzestexte formuliert. In Stichpunkten ausgedrückt geht es um eine Ausweitung des ökologischen Landbaus (weniger Pestizide, weniger Co2-Ausstoß), um eine bessere Ausbildung der Landbewirtschafter in Sachen Naturverständnis, um eine reicher strukturierte Landschaft mit Biotopverbundstruktur, um Gewässerschutz durch Gewässerrandstreifen, um Pestizidverbot in Schutzgebieten bzw. auf Staatsflächen und letztendlich um jährliche Statusberichte durch die bayerische Landesregierung zum Thema „Artensterben“.

Dabei ist das Volksbegehren nur ein erster Schritt zur Eindämmung des Artensterbens, aber auch zu einem Stopp des Bauernsterbens, denn diese sollen von einer naturverachtenden Agrarindustrie geschützt werden.

Nach Jahrzehnten hat Anfang 2018 die Thematik auch Eingang in den Koalitionsvertrag gefunden. Dort ist zu lesen: „Mit einem „Aktionsprogramm Insektenschutz“ wollen wir die Lebensbedingungen für Insekten verbessern.“ Die Initiatoren und Unterstützer des Volksbegehrens helfen somit den politisch Verantwortlichen. Der Ortsvorsitzende des Bund Naturschutz appellierte am Ende an die Anwesenden durch ihre Unterschrift auch einen ersten Schritt zur Beendigung des Artensterbens zu leisten. Insbesondere von den beiden Kelheimer Landtagsabgeordneten Petra Högl und Dr. Hubert Faltermeier erhofft er sich durch die Unterstützung des Volksbegehrens einen Beitrag zum Erhalt gesunder Lebensgrundlagen für die Enkelgeneration und der Bewahrung der Schöpfung.