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Kinder+Jugend

Die Geschichte von Emil Erdkröte

von Stephan Kröpfl

Mitte März, wenn der letzte Schnee abgeschmolzen ist und der Frühling langsam wieder Wärme bringt, erwacht Emil aus seiner Winterruhe.  Ende Oktober hatte er sich in seinem Wald unter einer alten Baumwurzel eingegraben und saß dort bis heute regungslos. Doch jetzt mit der Frühlingssonne wird er wieder munter. Von der bei uns Menschen bekannten Frühjahrsmüdigkeit hält Emil nichts. Er ist richtig unruhig. Eine innere Stimme sagt ihm, dass er gleich  loswandern soll. Er braucht nicht mal darüber nachzudenken wohin und in welche Richtung er wandern soll. Alles hat sich fest für immer und ewig in seinem Kopf gespeichert  und so begibt er sich gleich auf die Reise. Sein Ziel kennt er ganz genau. Es ist der Teich, in dem er selbst vor 3 Jahren geboren wurde. Seitdem ist er dort nicht mehr gewesen und er kann es kaum erwarten anzukommen.

Der Weg ist länger als Emil ihn in Erinnerung hatte. Zwei Tage lang wandert er unermüdlich und sieht dabei nichts als Waldboden und Bäume. doch dann hört er von weitem merkwürdige Geräusche. Lichter huschen in der Ferne quer durch die Nacht. Emil hat so etwas noch nie gesehen. Er bekommt Angst und bleibt kurz stehen. Doch seine innere Stimme sagt ihm, er soll weitergehen, er muss zum Teich. Emil reißt sich zusammen und geht weiter. Er hat keine Ahnung, dass durch seinen schönen Wald letztes Jahr eine neue Straße gebaut wurde, und die Geräusche und Lichter von den Autos und Lastwagen stammen, die jetzt dort lang fahren.

Nach einer Weile kommt er an der Straße an. Doch kurz vor der Fahrbahn geht es plötzlich nicht mehr weiter. Ein für Emil undurchdringlicher Zaun hindert ihn auf die Straße zu kommen. Emil möchte schnell weiterkommen und beschließt einen Umweg um den Zaun zu suchen. Aber schon nach wenigen Metern fällt er plötzlich in ein tiefes Loch. Dort sitzt er nun und kommt nicht mehr raus. Er ist dort nicht alleine. Zwei andere Kröten hatten wohl die gleiche Idee und sitzen nun dort gemeinsam in der Falle. Sie wissen nicht, dass das tiefe Loch keine gefährliche Falle sondern ein Plastikeimer ist, der extra für Emil und seine Freunde hier eingegraben wurde.

Der Eimer ist Teil von einem Krötenschutzzaun, den Naturschützer hier aufgebaut haben, damit die Kröten und Frösche beim überqueren der Straße nicht überfahren werden. Es dauert auch nicht lange, dann leuchtet eine Taschenlampe in den Eimer und Emil hört Stimmen: "Hier sind drei Kröten!" Emil wird aus dem Eimer genommen und als Männchen 114 von den Naturschützern in eine Liste eingetragen. Dann bringt einer der Leute Emil zusammen mit den anderen Kröten auf die gegenüberliegende Straßenseite und setzt dort alle drei wieder auf den Boden. Emil macht sich wie auch die anderen gleich wieder auf den Weg. Weit kann der Teich ja nun nicht mehr sein.

Am nächsten Tag kommt er endlich am Teich an. Der Teich ist noch genau so schön wie er ihn in Erinnerung hatte. Ohne lange zu schauen springt er gleich in kühle Wasser und schwimmt ein paar Runden. Doch schon bald merkt er, dass er hier nicht alleine ist. Hunderte oder vielleicht sogar tausende anderer Kröten kreuzen seinen Weg. Einige sind sogar zu zweit als Pärchen unterwegs und umklammern sich. Da fällt  Eimil das Wichtigste ein. Der Grund, warum er überhaupt zum Teich gekommen ist. Er muss ein Weibchen finden und selbst für Nachwuchs sorgen. So macht er sich also im Teich auf die Suche. Aber alle Weibchen die er sieht haben längst einen Partner gefunden. "Nur nicht aufgeben", denkt er sich und sucht weiter.

Am nächsten Tag, als Emil schon gar nicht mehr an sein Glück glaubt, bewegt sich was im Gras. Langsam wandert ein Krötenweibchen zum Teich und geht vorsichtig ins Wasser. Emil zögert keine Sekunde und schwimmt sofort auf sie zu. Er umklammert das  Weibchen liebevoll am Rücken und lässt es nun nicht mehr los. Schnell versteckt er sich mit seiner Eroberung im Schilf, damit nicht doch noch ein anderer ihm sein Weibchen streitig macht. Drei Tage verbringen sie nun zusammen im  Teich um sich kennen zu lernen und auf ihre wichtige Aufgabe vorzubereiten.

Dann ist es endlich soweit. Das Weibchen sucht eine schöne Stelle im Schilf und legt dort eine lange Perlenschnur mit mehr als 5000 Eiern ab. Emil kann es kaum glauben. Er wird doch tatsächlich tausendfacher Vater. Nachdem alle Eier ordentlich um das Schilf gewickelt sind, bittet das Weibchen Emil es los zu lassen. Danach verschwindet das Weibchen und verlässt den Teich. Emil wird sie wohl nie wieder sehen. So ist das bei den Kröten. Sie treffen sich einmal im Jahr im Teich zur Eiablage und verschwinden dann gleich wieder in ihren Wald. Emil bleibt noch ein paar Tage im Teich und bewundert seinen Nachwuchs. Doch dann wird es auch für ihn Zeit, wieder zu seiner alten Wurzel im Wald zurück zu kehren.

Zwei Wochen später tut sich was im Teich. Die schwarzen Perlen in der Schnur sind länglich geworden und beginnen sich zu bewegen. Ein paar Tage später sind aus den Eieern kleine Tierchen geschlüpft, die mehr wie ein Fisch als wie eine Kröte aussehen. Man nennt sie Kaulquappen. Emils Kinder, die Kaulquappen sind immer hungrig und neugierig. Den ganzen Tag schwimmen sie im Teich herum und essen Algen und Blätter.

Aber das Leben im Teich ist gefährlich. Fische, Wasserkäfer und viele andere betrachten die kleinen Kaulquappen als willkommene Zwischenmahlzeit. Aber Emil hat soviel Nachwuchs, dass auch nach einigen Wochen noch viele Kaulquappen im Teich schwimmen. Sie sind schnell gewachsen. Dann passiert etwas. Langsam bekommen die Kaulquappen Hinterbeine.

Kurz darauf auch Vorderbeine. Sie beginnen sich zu verwandeln. Wie durch ein Wunder entwickeln sich aus den fischähnlichen Kaulquappen innerhalb weniger Wochen kleine Kröten.

Schon bald verlieren sie auch ihren Schwanz und sehen nun wie Emil aus, nur viel kleiner. Sobald sie kräftig genug sind verlassen sie den Teich und suchen sich an Land einen Ort, an dem Sie gut leben können. Es wird drei Jahre dauern bis sie erwachsen sind und selbst wieder zurück zu ihrem Teich kommen. Vielleicht ist Emil dann auch wieder da.