Bund Naturschutz gegen Massentierhaltung

BN Kreisgruppe Kelheim lehnt eine Erweiterung des Legehennenbetriebes auf Gut Schwaben (Kelheim) ab

 

Foto: Forstner / Gut Schwaben – bestehender Stall

Foto: Forstner / Gut Schwaben – bestehender Stall

Auslauffläche Stall 1 - die Auslaufflächen für Stall 2 u. 3 würden bis zum Waldrand reichen; Foto: Forstner / Gut Schwaben

Auslauffläche Stall 1 - die Auslaufflächen für Stall 2 u. 3 würden bis zum Waldrand reichen; Foto: Forstner / Gut Schwaben

28.12.2017

Der BUND Naturschutz lehnt seit langem die Art und Weise der industriellen Massentier-haltung, wie sie auch bei den Legehennenbetrieben die Regel ist, ab. Sie wird dem Tierwohl nicht gerecht, hat mit artgerechter Tierhaltung wenig bis nichts zu tun und entspricht nicht einer bäuerlichen Landwirtschaft. Der BN fordert deshalb ebenfalls seit langen einen Umbau der Nutztierhaltung, hin zu einer ökologischen Erzeugung.

Neben diesen grundsätzlichen Bedenken gegenüber einer solchen industriellen Tierhaltung, ist aus Sicht des Bund Naturschutz eine Freilandhaltung mit 94 000 Legehennen, wie sie auf Gutschwaben vorgesehen ist, nicht sinnvoll machbar, bzw. sehr schwierig. Freilandhaltung ermöglicht normalerweise eine bessere artgemäße Verhaltensweise der Hühner, die schiere Maße von 94 000 Tieren dürfte dies aber wieder relativieren. Letztlich geht es auch hier nicht um das Tierwohl, sondern um einen wirtschaftlichen Vorteil. Mit Freilandeiern lässt sich nun mal ein höherer Eierpreise erzielen.

„Ich wollt ich wär ein Huhn, ich hätt ……..:“ Heinz Erhardt würde heute das Lied sicher nicht mehr so vortragen. Zu schlecht geht es heute den allermeisten Legehennen bei uns.

In Deutschland werden derzeit über 40 Millionen Hühner zum Zweck der Eierproduktion gehalten. Die Tierhaltung wandert in immer größere Betriebsstrukturen. Ungefähr ein Drittel der Legehennen in Deutschland lebt in Megaställen mit über 100 000 Tieren. Es entstehen immer neue „Tierfabriken“, in denen eine Vielzahl von Tieren in qualvolle Enge leben.

Wegen des stressbedingten Federnpickens und dem Kannibalismus werden z.T. routinemäßig die Schnäbel im Kükenalter gekürzt. Dieses Vorgehen ist derzeit nur in der Bioeiererzeugung verboten. Nach wie vor werden pro Jahr in Deutschland 50 Millionen männlicher Küken getötet, weil sie aus ökonomischer Sicht wertlos sind. Hinzu kommt die Züchtung auf groteske Höchstleistung. Legehennen legen heute rund 300 Eier pro Jahr.

Mit 18 Wochen werden sie „aufgestallt“ und landen spätestens nach 15 Monaten, ausgemergelten und erschöpft, beim Schlachter. Werden zu Suppenhühner oder Katzenfutter. Dies betrifft jährlich etwa 32 Millionen Hennen. Gut 10 % der Legehennen verenden, meist sehr qualvoll, aber schon vorher auf Grund verschiedener Ursachen in den Ställen.

Heute leben immer noch etwa 10 % aller Legehennen in Käfighaltung, auf etwa einer DIN A4 Seite. Dies wird erst ab 2025 endgültig verboten sein.

Etwa 63 % der Legehennen, und damit der bei weitem größte Teil, leben in Deutschland in der Bodenhaltung. Betriebe mit 200 000 sind dabei keine Seltenheit. In großen Hallen, in  Gruppen von 6 000 und bei einem Platzangebot von 9 Tieren pro qm Stallfläche. Lediglich ein Drittel der begehbaren Gesamtfläche ist mit Einstreu ausgestattet. Der Rest des Bodens besteht aus Gittern aus Holz oder Plastik. Über den Gittern sind die Sitzstangen, Trink- und Fresseinrichtungen, sowie die Nester angebracht. Etwa 100 Tiere teilen sich dabei 1 qm Nestfläche. Wohlgemerkt – dies alles entspricht den gesetzlichen Regeln.

Ist Freilandhaltung besser und ist diese mit 94 000 Hühnern machbar?

Knapp ca. 17,5 % der Legehennen leben derzeit in der sogenannten Freilandhaltung mit einem Auslauf, wie sie derzeit im Stall 1 mit 24 000 und zukünftig in zweie weiteren Ställen mit jeweils 35 000 Tieren auf Gut Schwaben vorgesehen ist.

In der Freilandhaltung sind die Hennen im Stall denselben Bedingungen ausgesetzt wie in der Bodenhaltung. Tagsüber erhalten die Legehennen aber uneingeschränkten Zugang zu einem bewachsenen Auslauf (4 qm / Henne).

Freilandhaltung ermöglicht zwar einen größeren Bewegungsraum und eine besseren artengemäße Verhaltensweise der Hühner. Dem gegenüber stehen mehr Rangordnungskämpfe, eine Infektionsgefahr durch den Kot der Hühner, der Kontakt mit freilebenden Tieren und die Gefahren  für die Gesundheit durch unterschiedliche Witterungsbedingungen, Zugluft, Nässe und Unterkühlung. Freilandhaltung erfordert daher ein besonders angepasstes Management hinsichtlich der Tiergesundheit.

In der Freilandhaltung gelten zudem ganz bestimmte Anforderungen für den Auslauf. Nach dem § 13 der Tierschutznutzungsverordnung  müssen Auslaufflächen so gestaltet sein, dass sie möglichst gleichmäßig durch die Legehennen benutzt werden können. Dazu gehören genau definierte natürliche und künstliche Unterstände und Tränken. Fehlen solche Unterschlupfmöglichkeiten so wird der Auslauf von den Tieren kaum ausgenutzt. Stattdessen bleiben sie auf einer kleinen Fläche, bevorzugt im stallnahen Bereich, zusammen. Der Boden wird hier sehr stark mit dem Kot der Tiere belastet und ist dann meist ohne Vegetation. Dies kann zu Verschlammung und zur Einbringung von Schmutz in Stall und Nester führen.

Die Nutzung des Auslaufes hängt auch von der Bauweise der Zugänge, der Tageszeit, dem Wetter und der Gruppengröße ab. Je Größer eine Gruppe ist, desto weniger Tiere laufen die weite Strecke zum nächsten unbesetzten Bereich. Man darf gespannt sein, wie sich 35 000 Hühner auf 140 000 qm Auslauffläche gleichmäßig verteilen sollen.

Belastung durch Immissionen?

Werden viele Legehennen auf engen Raum gehalten, ist eine Luftverunreinigung und Schadgasentstehung unvermeidlich. Insbesondere Ammoniak spielt hier eine gewichtige Rolle. Durch seine reizende Wirkung wirkt es sich schädigend auf die Atemwege der Tiere aus. Hinzu kommt gesundheitliche Belastung durch die Staubbelastung für Tier und Mensch. Der Staub ist Träger von Bakterien, Viren und Pilze und kleine Staubteile. Diese gelangen direkt in die Lunge und verursachen Lungenschäden und Krankheiten. Die Belastungen durch Gerüche, Ammoniak, Stickstoff und Staub mögen laut Immissionsgutachten für die Umgebung begrenzt sein, wobei eine FFH-Verträglichkeitsprüfung  für den angrenzenden Staatsforst (Stickstoffeintrag) noch aussteht, aber die Belastungen für die Tiere selbst und die Mitarbeiter sind enorm. 

täglich ca. 5 Tonnen Geflügelkot!

Zur Entsorgung der erheblichen Mengen von täglich ca. 5 Tonnen Geflügelkot heißt es nur: „wird zweimal wöchentlich mit Lkw abtransportiert und umweltverträglich außerhalb des Planungsgebietes entsorgt?“ – klare Aussagen zu dieser wichtigen Problematik fehlen ebenfalls in den Planungsunterlagen! In einem Pressebericht heißt es dazu – „wird auf Ackerflächen ausgebracht“. Wenn dem so ist bleiben folgende Fragen offen:

  • Sind die Felder und Äcker im Eigentum des Betriebes?
  • Wenn nicht, wie sehen die Gülleabnahmeverträge aus?
  • Wie stark ist der Geflügelkot mit Antibiotika und Keimen belastet?

Neben den grundsätzlichen, ethischen Bedenken bleiben also noch viele offene Fragen.

Weshalb will eine große Mehrheit der Kelheimer Stadträte, ohne große Diskussion, 44 ha wertvolle landwirtschaftlich genutzte Flächen, umgeben vom Staatsforst (FFH Gebiet), in ein Sondernutzungsgebiet umwandeln?

Das Vorhaben soll der „regionale Lebensmittelerzeugung“ die Bürger (jährlich 30 Millionen Eiern?) zur Verfügung stehen heißt es in der Begründung zum Vorhaben und schaffe neue Arbeitsplätze.

Die Alternative!

Der BUND Naturschutz setzt sich seit langem für einen Umbau der Nutztierhaltung, hin zu einer ökologischen Erzeugung ein. Dies macht heute bereits 10 % der Legehennenhaltung aus. Wenngleich auch hier nicht immer alles Gold ist was glänzt, so bietet die Null als Kennzeichnung für Bioeier doch die Gewähr für mehr Platz, kleinere Gruppen und entsprechendem Auslauf, sowie Futter aus meist eigenem ökologischen Anbau.

Zudem wächst die Anzahl der Biobetriebe mit mobile Ställe für Kleingruppen auf Wechselweiden. Und es gibt Anstrengungen in der Zucht von sogenannten Zwei-Nutz-Hühner zur Mast (männlich) bzw. als Legehennen. Dies wäre eine wahre Alternative zum sogenannten „Kükentöten“.

Der Verbraucher sollte auch bereit sein, schon im eigenen Interesse, diesen Mehraufwand entsprechen zu honorieren.

Für Mitbürger die ebenfalls gegen die Industrielle Massentierhaltung sind bietet sich im Januar 2018 die gute Gelegenheit dies öffentlich Kund zu tun.

Anlässlich der „Grünen Woche“ in Berlin findet seit 2011 jedes Jahr eine Groß-Demo statt. 2018 unter dem Motto:  „ Wir haben es satt! – Der Agrarindustrie die Stirn bieten!“ 

Der Bund Naturschutz bietet wie jedes Jahr eine Mitfahrgelegenheit zum Fahrpreis von 40 € mit einem Reisebus an.

Auskunft und Anmeldung über die BN Geschäftsstelle in Abensberg bzw. per E- Mail kelheim.@bund-naturschutz.de.

Klasse statt Masse!

Eine zukunftsfähige Landwirtschaft achtet das Wohl der Tiere, schützt Umwelt und Klima und liefert uns gute, gesunde Nahrung. Doch die Realität in Deutschland sieht anders aus: Männliche Küken werden am Tag ihrer Geburt getötet. Antibiotika für uns Menschen werden teils massenhaft im Tierstall eingesetzt. Und uns Verbraucher*innen wird das alles verschwiegen. Die Massentierhaltung ist ein riesiges Problem in Deutschland.