BN fordert vom Forst mehr Rücksicht auf Naturschutz

1000 Hektar großes Schutzgebiet für Weltenburger Enge

Foto: Konrad Pöppel; BN KG Kelheim

14.05.2020

Der Waldexperte im BUND Naturschutz (BN) Landesverband, Dr. Ralf Straußberger machte sich auf Einladung des BN-Kreisvorsitzenden Peter Forstner ein Bild von den kritisierten Holzeinschlägen im Bereich der Weltenburger Enge.

„Wir fordern vom BN ein Waldnutzungskonzept für die Staatswälder, das beides umfasst: die naturnahe Nutzung der Wälder auf 90 Prozent und eine Naturwaldentwicklung auf 10 Prozent der Fläche“, so Straußberger. „Wenn im Staatswald, wie hier geschehen, Totholz und Biotopbäume (stimmt das? – siehe Bild) gefällt werden sowie die jeweils dicksten Bäume gezielt rausgeschlagen werden, bevor sie ökologisch wertvoll werden, ist dies aus BN-Sicht natürlich zu kritisieren“, so Forstner, „erst recht, wenn dies in einem Naturschutzgebiet und FFH-Gebiet geschieht“. Der BN fordert für die hiesigen Staatswälder mehr Rücksicht auf Naturschutzbelange in Wirtschaftswald und ein mindestens 1000 Hektar großes Naturwaldgebiet in der Weltenburger Enge.

Die Jagd auf die dicken Buchen

Schon seit einiger Zeit beobachtet der BN mit großer Sorge, dass im Hienheimer Forst, wie auch in anderen naturnah aufgebauten Laubwaldgebieten, regelrecht Jagd auf die Buchen gemacht wird. „Wir stellen als BN fest, dass gerade in den buchenreichen Waldgebieten, für die naturschutzfachlich eine Naturwaldentwicklung gefordert wird, immer stärker gegen die Buche gearbeitet wird“, so Straußberger. Dies ist hier im Hienheimer Forst nicht anders wie im Steigerwald und im Spessart. Gefördert werden vom Staatsforst dort insbesondere lichtbedürftigere Baumarten, für die, so der Staatsforst, eben Licht geschaffen werden müsse „im dunklen Buchenwald“. Die Wälder werden stark durchforstet, damit die Buchen noch in jungen Jahren schnell dick werden. Dann werden vor allem die dicksten Buchen gezielt Zug um Zug zum größten Teil entnommen. „Dadurch wird verhindert, dass die Buchen dicker werden, die Wälder älter werden“, so Straußberger. „Wir haben von BN mal ein Werbekampagne für Holz von dicken Buchen aufgelegt, die im Alter einen roten Kern bekommen. Heute müssen wir feststellen, dass die Buchen viel zu jung gefällt werden. Von Natur aus können Buchen 2-3 mal so alt und so dick werden, wie sie das im Staatswald heute dürfen“. Im über 17.000 Hektar großen Forstbetrieb Kelheim gibt es nur auf 0,1 Prozent der Fläche alte Wälder über 180 Jahre. Selbst ältere naturnahe Wälder über 140 Jahre gibt es nur auf 3 % der Fläche. Diese Praxis ist schlecht für den Schutz der Artenvielfalt, die in Buchenwäldern ab einem Alter von 180-200 Jahren deutlich zunimmt. Doch dieses Alter erreichen die Wälder nicht mehr, weil sie lange vorher eingeschlagen werden. Diese Praxis ist auch schlecht für die Widerstandsfähigkeit der Wälder gegenüber der Klimakrise. „Wer in einen 80- oder 100-jährigen naturnahen Wald Löcher hackt, darf sich nicht wundern, dass sich der Wald stärker aufheizt und unter der Hitze und Dürre leidet“, kritisiert Straußberger. Viele der naturnahen Wälder sind an die Klimakrise noch am besten angepasst, dazu gehören auch die buchenreichen Wälder auf den Hochflächen des Jura. Gerade die schattenertragende Baumart Buche sorgt für ein kühl-feuchtes Waldinnenklima. „Das merkt jeder, der hier an heißen Sommertagen in den schattigen Wälder spazieren geht“, so Forstner. Hier darf es keine massiven Einschläge geben, sondern hier braucht es eine pflegliche, zurückhaltende Waldnutzung nach dem Motto: der Wald schützt sein Klima und damit sich selbst!

Im Hienheimer Forst muss mehr und besser geschützt werden

Der BUND Naturschutz hat bereits 2016 ein Naturwaldverbundkonzept für Bayern entwickelt, das Vorschläge für nutzungsfreie Naturwälder im Staatswald enthält. Hintergrund sind internationale und nationale Ziele zum Schutz der Artenvielfalt in Wäldern. Viele Arten aus den Gruppen der Käfer, Fledermäuse, Vögel und Pilze stellen so hohe Ansprüche an ihren Lebensraum, dass diese im Wirtschaftswald auch mit einzelnen Biotopbäumen oder kleinflächigen, nutzungsfreien Altholzinseln – die BaySF nennen das Trittstein – nicht erfüllt werden können. Das ist international und national längst anerkannt, auch die Bayerische Staatsregierung verfolgt mittlerweile das Ziel, dass im Staatswald 10 % Naturwald werden sollen. Allerdings hapert es an einer qualifizierten Umsetzung. „In Nadelwaldgebieten mag es sinnvoll sein, die kleinflächig eingestreuten Laubwaldinseln als Trittsteine zu schützen, so Straußberger. „Aber in naturnahen Laubwäldern im Staatsbesitz müssen auch größere Gebiete geschützt werden.“ „Jeder weiß, dass Moore sind nicht punktuell schützen lassen, sondern dass das flächig passieren muss“, so Forstner. Gerade der Hienheimer Forst um die Weltenburger Enge ist wie nur ganz wenige Wälder in Bayern dafür geeignet, dass auch mal auf größeren Flächen eine Naturwaldentwicklung stattfinden kann. Bislang sind nur etwas mehr als 1 % des Forstbetriebes Kelheim als Naturwald geschützt. „Das ist zu wenig“, so Forstner. „Deshalb fordern wir, dass die Naturschutzgebietsverordnung überarbeitet wird und mindestens 1000 Hektar im Naturschutzgebiet als Naturwald geschützt werden“. „Wir setzen darauf, dass die BaySF dem Anliegen der Gesellschaft und der Politik Rechnung trägt und die Artenvielfalt in den Staatswäldern auch durch mittelgroße und große Naturwälder schützt“, so Straußberger. Dazu müssen die Konzepte vom Schutz des Einzelbaumes und der Kleinstfläche weiterentwickelt werden und der Naturwaldschutz in einem Geschäftsfeld naturschutzfachlich sinnvoll umgesetzt werden. „Wir halten die Bayerischen Staatsforsten dafür geeignet das fachlich notwendige und von uns geforderte Naturwaldgebiet in der Weltenburger Enge zu betreuen“, so Forstner. „Wenn sie sich weigern, muss man halt über andere Lösungen nachdenken.“

Für Rückfragen stehen wir gerne zur Verfügung:

Dr. Ralf Straußberger

Wald- und Jagdreferent Bund Naturschutz

Geschäftsführer Freundeskreis Nationalpark SteigerwalD

Bauernfeindstr. 23     90471 Nürnberg

Tel. 0911/81 87 8-22 oder 0911/81 87 8-0

Fax  0911/86 95 68

 

Peter Forstner

BN Kreisvorsitzender

BN KG Kelheim

09443/1811