Umweltzentrum keine Hilfe gegen den Artenschwund!

Leserbrief zur Stellungnahme NP3

26.04.2018

Die in der MZ am 20.04. abgedruckte NP3-Gegner Argumentation, dass ein "Umweltzentrum" im ehemaligen Wittelsbacher Schloss eine Maßnahme für den Schutz der Natur und gegen den Niedergang der Artenvielfalt darstellt und deshalb von ihnen voll unterstützt wird, ist für jeden Artenschützer wie ein Faustschlag ins Gesicht.

Diejenigen, die jegliche Nutzungseinschränkung - vor allem bei den Freizeitaktivitäten - kategorisch abgelehnt haben, noch bevor überhaupt eine Abwägung von verschiedenen Interessen mit dem Ziel einer "Optimierung der Lebensbedingungen für unsere Mitarten" begonnen wurde, werden belohnt mit einem millionenschweren Tourismusbauwerk. In die Sicherung der Lebensgrundlagen für unsere Mitarten wird weder rechtlich noch finanziell investiert. Kein Wort dazu von den NP3-Gegnern.

Was heißt denn "Naturschutz"?

Es heißt mehr Verzicht auf Nutzung durch den Menschen und mehr störungsfreien Raum für Mitarten in der Fläche und insbesondere in Schutzgebieten, wie der Weltenburger Enge oder den anderen angrenzenden Schutzgebieten. Konkret wäre das unter anderem ein Verzicht auf die Holznutzung oder eine Optimierung der Besucherlenkung in den Schutzgebieten. Ein Thema ist die großflächige Erweiterung der bestehenden Naturwaldreservate auch ohne Nationalpark.

Ein "Umweltzentrum Kelheim" soll nun "eine gebündelte Aktion und Investition" in den Naturschutz" sein. Primär werden damit die Bauindustrie, Planungsbüros und Tourismusabhängige gefördert. Da begleitend keine Maßnahmen in den Schutzgebieten zur Reduzierung von Störungen und zur Optimierung der Lebensraumanforderungen für dort vorkommenden Artengemeinschaften gefordert werden, wird es nur zu einer noch stärkeren Vereinnahmung der Schutzgebiete durch den Tourismus kommen. Der Tourismus will primär Naturkulisse, die Erhaltung der spezifischen  Arten und  Lebensräume als eigentliches Ziel eines Schutzgebietes ist nicht einmal sekundär.

Die Schöpfung wird also stetig weiter der Vernichtung preisgegeben.

Ein Naturschutzzentrum in Kelheim macht nur dann Sinn, wenn begleitend die Lebensraumbedingungen in den Schutzgebieten - und auch außerhalb - deutlich verbessert werden, einmal durch mehr Einhaltung der Schutzvorgaben mit hauptamtlichem Schutzpersonal, wie "NSG-Rangern", aber vor allem durch Verbesserung der Lebensraumbedingungen für alle unsere Mitarten und die Verminderung von Störungen. Dazu würden Staatsmittel primär benötigt, sekundär kann man ein Naturschutzzentrum diskutieren. Mit einem NP3 wären für einen wirklichen Naturschutz Mittel bereitgestanden. Die meist auswärtigen Besucher des Naturschutzzentrums werden diese Aufgabe nicht übernehmen. Und die politisch  Verantwortlichen oder Privatpersonen im Landkreis werden es mit den dafür notwendigen Eigenmitteln auch nicht tun.

Konrad Pöppel

(Kreisrat und stellv. Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz)