Golfplatz Holledau – ein Rückzugsort für die Natur
Der Einladung sind mehr als 30 Interessierte gefolgt und waren begeistert von der parkähnlichen Anlage und der Stimmung vor Beginn der Abenddämmerung.
Mit dem Botaniker Michael Littel konnte ein Experte für die vorhandene Botanik gewonnen werden, der auch viel zu historischen Bezeichnungen für Pflanzen erklären konnte. So nannte man den Klappertopf, einen Halbschmarotzer in der Hallertau „Milchdieb“, weil er den Gräsern Nährstoffe entzog und so zu geringeren Erträgen beitrug.
Die Organisatoren Konrad Pöppel (BUND Naturschutz) und Dietmar Strunz (Golfclub) freute auch besonders die Begleitung durch Head-Greenkeeper Sepp Schauer, der sehr sachkundig auf alle Fragen zur Bewirtschaftung der Anlage geduldig antwortete.
Durch die Art der Bewirtschaftung der Nebenflächen, insbesondere des Abtransportes von Mähgut oder einer Beweidung sowie dem Verzicht auf Düngung sind dort wertvolle Naturbereiche entstanden bzw. erhalten geblieben – ein Verdienst der Green Keeper vor Ort. Diese mageren Böden fehlen in der aktuellen landwirtschaftlichen Flur fast vollständig.
Die „Nebenflächen“ (> 70 % der Anlage sind „Roughs“; sie beginnen nach den „Fairways“ und sind Wiesen, Brachen, aber auch Gewässer oder Gehölze) sind auf dem Golfplatz deutlich dichter vorhanden und naturschutzfachlich hochwertiger als die Nebenflächen in der landwirtschaftlich geprägten Umgebung.
Aufgrund der guten naturschutzfachlichen Voraussetzungen ist der Golfplatz Holledau auch Mitglied im Projekt GOLF Biodivers und wurde von GOLF&NATUR mit dem DGV-Zertifikat in Silber ausgezeichnet.
Seit 2020 stärkt das Clubmanagement Nachhaltigkeit und Umweltprojekte auf dem Areal.
2024 wurden auch Stimmen verschiedener Tiere aufgenommen (Vögel, Fledermäuse, Heuschrecken). In Teilen wurde auch schon in früheren Jahren autochtones Saatgut angesät oder Mähgut übertragen, um die Artenvielfalt zu fördern.
Vor allem die mit anwesenden Kinder waren begeistert von Laubfröschen an einem kleinen Teich. Neben der Roten Sommerwurz war mindestens einer weitere Sommerwurzart in den Nebenflächen zu finden. Diese Vollschmarotzer führen zusammen mit den Klappertopfarten zu niedrigwüchsigen Wiesen, die dann zu dem hohen Artenreichtum vor Ort führen. Bei einer Probebesichtigung konnten während zwei Stunden 4 Schwalbenschwanz-Schmetterlinge gesichtet werden.
Die eigene Einschätzung ist, dass das gute Natur-Potential der „Rough“-Flächen bei uneingeschränktem Golfplatzbetrieb noch weiter verbessert werden kann.
Sogar „Fairways“ haben ein naturschutzfachliches Aufwertungspotential. Neben einer stärkeren Gänseblümchen-Ausbreitung wäre wohl auch die Ausbreitung weiterer kurzwüchsiger Blütenpflanzen, wie Ehrenpreisarten denkbar. Ein Nahrungspotential z.B. für Wildbienen.
Im Anschluss an die etwa 2 h lange Begehung wurde im Lokal des Golfclubs über die Eindrücke bis in die Abendstunden diskutiert.
Konrad Pöppel
(BUND Naturschutz, Kreisgruppenvorsitzender Landkreis Kelheim)






