Mehr Wildnis braucht das Land!

Wildnis erleben ! - unter diesem Motto stand das BN Jahresprogramm 2015.

zu den Veranstaltungen des Jahresprogramm "Wildnis erleben!"

zum Artikel in der Mittelbayerischen Zeitung "Der Bund Naturschutz treibt´s heuer wild"

zum Fotowettbewerb "Mehr Wildnis braucht das Land"

Wildnis, das ist etwas aus dem Fernseher und aus den Outdoor- Katalogen. Das sind Bären, Tiger und Elefanten  - in Kanada, in der Taiga oder in der Serengeti.

Bei uns ist die Wildnis längst verschwunden, oder ? - Nicht ganz!

Zwischen den Ackerweiten, Autobahntrassen und Siedlungsteppichen gibt es sie noch, wenn auch oft versteckt: - die ursprünglichen, wilden Stellen.

Die Natur in Deutschland ist aber insgesamt durch einen Mangel an Wildnis gekennzeichnet. Weniger als ein Prozent der Fläche Bayerns haben noch Wildnischarakter. Und nur auf  0.6 Prozent der Bundesgebietsflächen bestehen Wildnisbereiche die einen ungestörten Ablauf der Naturvorgänge aufweisen.

Der Bund Naturschutz in Bayern versteht unter Wildnis einen Raum, in dem der Mensch jede Nutzung, Gestaltung und Planung bewusst unterlässt. Dort soll eine weitgehend ungestörte natürliche oder naturnahe Lebensraumdynamik mit dem vollen Spektrum der Entwicklungsstadien ablaufen und sich somit die typische biologische Vielfalt entwickeln.

In diesen Räumen gilt: „Mut zum Nichtstun“ und „Zuschauen statt Gestalten“  –  auch für Naturschützer !

Mut zur Wildnis!

Chancen für wenigstens etwas mehr Wildnis gibt es in verschiedenen Größenordnungen:

Es beginnt mit den kleinen „verwilderten Ecken“ in jedem Garten, der Stadtbrache - einer „Wildnis auf Zeit“, einer partiellen Wildnis in Kulturlandschaften z. B. „Wilde Weiden“ bis hin zu Reaktivierung von Wildnis in primär dynamischen Naturlandschaften mit hohen Regenerationspotential  wie es z. B. bei Mooren, Flüssen/Auen, Wälder oder im Hochgebirge zu finden ist.

„Urwälder von Morgen!“

Die Bundesrepublik  Deutschland hat in der nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt festgelegt, dass fünf Prozent der Wälder bzw. 10 Prozent der „Staatswälder“ der natürlichen Entwicklung überlassen werden. Ein Ziel, von dem wir noch sehr weit entfernt sind.

Nur großflächigen, ungenutzten „Urwälder von morgen“ bringen mit ihrer Dynamik jene Artenvielfalt hervor, wie sie selbst in sehr naturnah bewirtschafteten Forsten nicht vorkommt und sie sichern damit die ursprünglichen mitteleuropäische Waldartenvielfalt.

„Etwas von Wildnis  muss der Wald haben, sonst stirbt seine Natur vor lauter Kultur." Ein Zitat von Geheimrat Rebel aus dem Jahre 1928, dass für den BN heute noch gilt.

Eine Ahnung dieser ursprüngliche Wildnis der Urwälder vermitteln die Kernbereiche der Nationalparke, länger unbewirtschaftete Naturwaldreservate und Naturschutzgebiete mit entsprechenden Verordnungen.

„Ist es nicht hohe Zeit, die Wildnis wieder salonfähig zu machen und der Diffamierung des Vielfältigen und des Normalen Widerstand zu leisten?“ Hubert Weinzierl

Wildnis im Landkreis Kelheim

Der Landkreis Kelheim dürfte dank der ca 115 km² gemeindefreien Forsten mit den zwar verhältnismäßig kleinen Naturwaldreservaten nicht schlecht dastehen. Was fehlt ist aber eine großes (500 ha) Naturwaldreservat.

Eine wichtige Rolle spielen deshalb die Naturschutzgebiete mit den entsprechen Verordnungen.  Herausragend ist dabei sicherlich das Naturschutzgebiet Weltenburger Enge hinsichtlich Größe und mit dem einzig verbliebenen Wildflussabschnitt der Donau.

Restflächen mit Wildnischarakter finden sich vor allem in den Auwälder der Donau bei Irnsing und in den verbliebenen Moorgebieten.  

Kulturlandschaft und Wildnis

Die seit Jahrhunderten von Menschen geprägte  Kulturlandschaft war lange Zeit ein wahrer Hort der Artenreichtums, selbst gegenüber dem Urwald. Zeugnisse früherer Bewirtschaftungsformen  sind z. B. die Magerrasen der Jurahöhen, Heiden und Streuobstwiesen, Terrassen- und Wildäcker, bis hin zu den offenen Binnensanddünen und Sandkieferwäldern. Oft bieten diese Zeitinseln eine Art Ersatzlebensraum für verlorene Wildnis. Gut die Hälfte der gefährdeten Arten Bayerns kann nur hier überleben.

Wildnis und menschliche Nutzung müssen sich ergänzen und eine Symbiose eingehen!

Naturwaldreservate (NWR) im Landkreis - die „Urwälder von morgen“

Drei große Wälder prägen den Landkreis. Im wesentlichen sind dies die Staatforsten Dürnbucher Forst, Hienheimer Forst und der Frauenforst. Von besonderer Bedeutung sind die Leitenwälder beziehungsweise Hangwälder von Donau und Altmühltal, sowie die Wälder auf der Jurahochfläche.

NSG (Naturschutzgebiet) Weltenburger Enge (560ha) mit Hirschberg und Altmühlleiten (375ha); Sommerheißen Felsen über Hangwälder, Buchen mit Eichen auf der Jurahochfläche

NWR  Platte (34ha) im Hienheimer Forst – mit NSG Ludwigshain (2,4ha) ältestes NSG Bayerns; (1912) mit uralten Eichen und Buchen im Zerfallsstadium mit seltensten Tieren, Pflanzen und Pilzen

NWR Hammerleite (30ha) Schluchtenwald im Altmühltal mit Buchen, Eschen und Bergahorn 

NWR Klamm (20ha) mit Felsensäulen, Schluchtenwald mit Buchen, Linde, Ahorn und Eiben

NWR Knittelschlag (18ha) im Frauenforst - Dolinen in herrlichem Buchenwald (Jura)

NWR Damm (76ha) im Dürnbucher Forst - Buchenwald mit Kiefern und Fichten

Liebe Naturfreunde vielleicht kennen Sie noch die ein oder andere versteckte „wilde“ Stelle? Auch wir kennen sie noch nicht alle, deshalb würden wir uns sehr freuen, wenn sie uns davon ein Foto mit kurzen Begleittext (E- Mail) zusenden würden.         Danke !