Für eine naturverträgliche Landwirtschaft und den Erhalt der Biodiversität (Artenvielfalt) in unserer Kulturlandschaft

Anregungen und Denkanstöße zur Diskussion

Rund 25 % der 106 000 ha Landkreisfläche stehen in irgendeiner Form unter Naturschutz. Ein Naturreichtum um den uns viele beneiden. Nicht zuletzt durch die hervorragende Arbeit im Landschaftspflegeverband ist es gelungen, diese zu sichern und zu erhalten. Aber was passiert auf den anderen 75 % der Landkreisfläche?

Der Siedlungsdruck mit seinem fortwährenden Boden- und Flächenverbrauch, eine Höchsterträge fordernde, intensive Landwirtschaft, mit der Tendenz zu industriellen Strukturen, sowie der zusätzliche Anbau von Energiepflanzen für Agrargasanlagen, gefährden aus unserer Sicht auf vielfältige Weise die Ökosysteme mit ihrer Artenvielfalt. Allerweltsarten, wie z.B. Kiebitz, Feldlerche, Feldhamster und viele anderen Tier- und Pflanzenarten, stehen heute schon auf der Liste bedrohter Arten. Artenvielfalt stirbt an Überdüngung, Pestiziden, Monokulturen und riesigen Feldflächen, ohne Baum und Strauch. Viele Naturschützer, Jäger, Fischer, Imker und andere Naturfreunde, sehen in diesem zum Teil dramatischen Rückgang der Artenvielfalt ein deutliches Warnsignal, dass etwas schief läuft in unserer Kulturlandschaft.

Noch haben wir im Landkreis Kelheim die Chance dem entgegen zu steuern.

Wir wollen bei uns keine " Agrarwüsten", Agrarindustrien und Megaställe, wie es sie leider anderenorts schon zu viele gibt.

Wir möchten auf den 46 000 ha landwirtschaftlicher Fläche unseres Landkreises, eine bäuerliche, ökologische, tierschutzgerechte und gentechnikfreie Landwirtschaft.

Wir möchten eine Landwirtschaft, deren Funktion es nicht nur ist, möglichst billige, agrarindustriell erzeugte Rohstoffe für Nahrungsmittel- und Energiewirtschaft zu liefern.

Eine Landwirtschaft, die globale Entwicklungsfragen ebenso ernst nimmt, wie den fairen Handel und die Verantwortung für den Klimaschutz.

Hier im Folgenden, Themenbereiche und Problemfelder, bei denen wir dringenden Diskussions- und Handlungsbedarf sehen:

Förderung und Ausbau des Ökologischen Landbaus

Der Bund Naturschutz sieht im Ökolandbau ein Leitbild für eine zukunftsfähige, umwelt- und tierschutzgerechte Landwirtschaft. Ökolandbau steht für fruchtbare Böden, Artenvielfalt, sauberes Trinkwasser und weniger Energieverbrauch.

Ziel des BUND Naturschutz ist, in den nächsten Jahrzehnten die flächendeckende Umstellung auf ökologischen Landbau, um unsere Lebensgrundlagen nachhaltig zu bewahren.

2011 gab es im Landkreis Kelheim ca. 50 Biobetriebe auf 2 % der landwirtschaftlichen Flächen (!?). Die bayerische Staatsregierung hat bislang als Ziel für die nächsten 5 Jahre, eine Verdoppelung des Ökolandbaues für Bayern, von derzeit 6 auf 12 Prozent angestrebt.

Bayerns Lebensmittel müssen gentechnikfrei sein, sowie die Landschaft in Bayern und im Landkreis Kelheim agrogentechnikfrei bleiben.

Transatlantische Freihandels- und Investitionsabkommen (TTIP)

Im geheimen verhandelt die Europäische Union seit Juli mit den USA über ein Handelsabkommen welches in hohem Maße unsere Landwirtschaft, unsere Verbraucherschutz - und Gesundheitsstandards, sowie Umweltschutzauflagen gefährdet. Mit diesem Vertrag könnten z.B., so wird befürchtet, amerikanische Konzerne gegen Europa und seine Staaten klagen wenn Produkte wie Chlorhuhn, Genmais und Co. nicht vermarktet werden dürfen.

Boden- und Flächenverbrauch, sowie Zersiedelung beenden

In Bayern verschwinden täglich 18 ha Fläche unter Beton und Asphalt. Damit ist Bayern Spitzenreiter! Die Planungshoheit der Gemeinden sollte keine Lizenz zum Landverbrauch sein, sondern eine Verpflichtung zum Landerhalt für spätere Generationen.

Lebensversicherung Artenvielfalt

Die verschieden Arten haben spezielle Funktionen in unseren Ökosystemen. So kann, z. B. nur ein gesunder Boden, mit einer Vielzahl von Kleinlebewesen und ausreichend Humus, den Regen filtern und somit für sauberes Trinkwasser sorgen. Nur eine intakte Vielfalt an wilden und kultivierten Pflanzenarten, bietet den Insekten und Bienen eine ausreichende und gesunde Futtergrundlage. Die Bienen helfen uns wiederum bei der Bestäubung der Pflanzen, die wir für unsere Nahrungsmittelproduktion verwenden. Ohne die Bienen würden die Erträge um ein Drittel geringer ausfallen! Der Verlust von Wildpflanzen, Bienen, Nutzinsekten, wie auch der dramatische Rückgang von Amphibien und Feldvögel (60% und mehr), sind bedenkliche Entwicklungen und dürfen nicht so einfach hingenommen werden. Die Artenvielfalt ist bedroht durch Überdüngung, Pestizide, Monokulturen und große Feldflächen, ohne Baum und Strauch.

Deshalb brauchen wir in unserer, zum Teil ausgeräumten Kulturlandschaft:

  • Brachflächen, artenreiche Bauernwiesen und Blühstreifen, Feldraine und Saumflächen als Rückzugraum und Nahrungsangebot für die bedrohten Tierarten.
  • Das "Greening" der EU Agrarreform muss so umgesetzt werden, dass eine möglichst große, positive ökologische Wirkung, bei geringem Verwaltungsaufwand erreicht wird. Keine Pflanzenschutzmittel und Düngung auf den ökol. Vorrangflächen!
  • Die Umsetzung der Biotopverbundsysteme und Maßnahmenkataloge der Landschaftspläne als Trittsteine und Grünbrücken.
  • Die freiwilligen Programme zur Erhaltung der Kulturlandschaft und zum Vertragsnaturschutz müssen finanziell, attraktiv ausgestattet werden.

Wiesen und Weidelandschaften erhalten

In Bayern wurden 46000 ha Wiesen und Weiden zwischen den Jahren 2005 und 2012 in Ackerland umgepflügt. Damit ging Artenvielfalt und Hochwasserraum verloren. Bodenverluste durch Erosion, Maismonokulturen waren oft die Folge. Schöne und artenreiche Wiesen, sind leider eine Seltenheit geworden. Entwässerung und Überdüngung haben heute die Einheitsfettwiesen, in denen nicht einmal der Löwenzahn mehr blüht, geschaffen. ( + Laabertal - oberes Abenstal)

Überdüngung vermeiden

Zu viel Gülle ist Gift für den Boden und die Artenvielfalt auf der Wiese. Blühpflanzen können zudem wegen der kurzen Abstände der Mahd (3-5 mal) keine Samen bilden. Noch haben wir keine Verhältnisse wie in Niedersachsen, aber auch im Landkreis steigen die Nitratbelastungen in unserem Trinkwasser.

Der Einsatz von Herbiziden, Pestizide und Insektizide

Nicht nur der Nitrateintrag beeinträchtigt Artenvielfalt und verursacht eine hohe Gewässerbelastung, hinzu kommt auch der Einsatz von Pestizide und Herbizide. In Deutschland werden Jahr für Jahr, zur Bekämpfung von Wildpflanzen ("Unkräuter"), Schadinsekten, Pilzkrankheiten und Nagetiere, mehr als 30 000 Tonnen als "Pflanzenschutzmittel" bezeichnete Giftwirkstoffe, in der Landwirtschaft eingesetzt. Für den Deutschen Bauernverband gehört dies zu einer "ordnungsgemäßen" Landwirtschaft. Der Bund Naturschutz sieht darin, eine zunehmende Belastung der Natur und eine Gefährdung von den Menschen und der Umwelt. Er fordert deshalb, bessere Schutzvorkehrungen und Verbote, um den Einsatz von umweltschädlichen Pestiziden einzuschränken z.B. durch:

  • Ein Verbot bienengefährdender Pestizide
  • Einen Aktionsplan für eine erhebliche, nachhaltige Reduzierung und verstärkt staatliche Kontrollen, beim Einsatz von Pestiziden
  • Die Abschaffung der staatlichen Förderung für die pfluglose Bodenbearbeitung, bei gleichzeitigem Einsatz von Totalherbiziden
  • Ein Verbot des "Abspritzens" von Wiesen mit Totalherbiziden zur Neueinsaat der Grasnarbe
  • Eine Überprüfung und Verschärfung der Zulassungsverfahren
  • Die Anlage von Gewässerschutzstreifen an Ackerflächen in einer Breite von 10 bis 20 m
  • Ein Verbot von Präparaten mit dem Wirkstoff "Glyphosat", u.a. wegen der Gefahr für die menschliche Gesundheit

Pestizide töten Amphibien und Bienen

Amphibien nehmen über ihre Hautatmung die Giftstoffe auf. Pestizide die in der amtlich erlaubten Dosierung ausgebracht werden, töten bis zu 100% der betroffenen Amphibien. Das Bienensterben hat sicher verschiedene Gründe. Z:B schwindende Lebensräume, unzureichendes Futtervorkommen, Klimawandel, Parasiten, Krankheiten, aber auch manche Pestizide sind wahre Bienenkiller. Die industrielle Landwirtschaft gräbt sich mit der Vernichtung der Bestäuber das eigene Grab - so die Imker.

Gewässerschutz - Gewässerschutzstreifen

Die vorgenannten Probleme, wie Überdüngung und der Einsatz von Pestiziden, machen deutlich, wie wichtig Gewässerschutzstreifen sind. Nicht umsonst werden sie selbst von staatlichen Stellen beworben. Ausreichend dimensionierte Gewässerstreifen haben zudem Bedeutung für den Erosionsschutz, das Landschaftsbild, als Lebensraum und Netzstruktur, sowie als Puffer für Biberkonflikte. Es gilt so wohl, die europäischen WRRL, als auch, die meist vorliegenden Gewässerpflegepläne der Kommunen umzusetzen! - Eine Arbeitsgruppe dazu gibt es zwar schon, dieser auf Freiwilligkeit basierende Ansatz reicht aber mit Sicherheit nicht.

Wir wollen keine Megaställe mit zig tausenden von Tieren im Landkreis Kelheim

Wir wollen eine bäuerliche, tierschutz- und artgerechte Tierhaltung ohne Hormonbehandlungen und Antibiotika - Missbrauch. Megaställe bei denen der Landwirt zum Lohnarbeiter wird, bringen zudem eine Reihe von Problemen mit sich. Gülleschwemmen mit Ammoniak, Nitrat und Schwermetalle belasten die Umwelt. Industrielle Fleischerzeugung lässt den Betrieben mit bäuerlicher Tierhaltung keine Chance zum Überleben.

Für eine umweltverträgliche Nutzung von Biogas

Der Boom von immer größer werdenden Biogasanlagen der letzten Jahre hat eine Reihe von Problemen mit sich gebracht. Pachtpreissteigerungen, veränderte Landschaftsbilder, Verkehrsbelastungen, Artenverarmung, Überdüngung, Bodenerosion und Verschlammung der Bäche, waren und sind leider die Folgen. Zum Glück scheint dies nun erkannt worden zu sein, und Korrekturen werden hoffentlich vorgenommen. Für eine dezentrale Energieversorgung im Landkreis brauchen wir eine gewisse Anzahl von Biogasanlagen. Diese sollten zum einen von der unsinnigen Grundlast, zu wertvoller Spitzenlast umgebaut werden, um die Bedarfslücken zu füllen und um den Vorteil der besseren Speichermöglichkeit von Agrargas zu Nutzen. Zum anderen sollten bevorzugt kleinere, mit Abfallbiomasse beschickte und mit Kraftwärmekopplung ausgestattete Biogasanlagen gefördert werden, sowie das Personal der Anlagen besser geschult werden. Grundsätzlich sollten zudem nicht mehr als 10 % der landwirt- schaftlichen Fläche einer Kommune für Energiepflanzen verwendet werden.

Fazit

Die bessere Umweltverträglichkeit und der deutlich höhere Nutzen für die Biodiversität (Artenvielfalt) der ohne Pestizide und synthetische Dünger arbeitenden biologischen Landbaus sind vielfach belegt.

Der Ausbau des Ökologischen Landbaus erfordert mehr staatliche Beratung, mehr Förderung und Forschung - im übrigen fördert die EU schon heute die Landwirtschaft jährlich mit 60 Milliarden Euro - die Akzeptanz beim Steuerzahler dafür würde steigen, wenn dafür eine vermehrte ökologische Leistung für das Gemeinwohl gegenüberstehen würde.

Aber auch beim Verbraucher erfordert es ein Umdenken, ein anderes Ernährungsbewusstsein, weniger Fleischkonsum und eine Akzeptanz für gerechte Lebensmittelpreise.

Wir wollen bei uns keine " Agrarwüsten", Agrarindustrien und Megaställe, wie es sie leider anderenorts schon zu viele gibt.

Wir möchten auf den 46 000 ha landwirtschaftlicher Fläche unseres Landkreises, eine bäuerliche, ökologische, tierschutzgerechte und gentechnikfreie Landwirtschaft.

Wir möchten eine Landwirtschaft, deren Funktion es nicht nur ist, möglichst billige, agrarindustriell erzeugte Rohstoffe für Nahrungsmittel- und Energiewirtschaft zu liefern.

Eine Landwirtschaft, die globale Entwicklungsfragen ebenso ernst nimmt, wie den fairen Handel und die Verantwortung für den Klimaschutz.