Wichtige Impulse, aber noch keine Trendwende

Am 01. August 2020 jährt sich die Aufnahme zahlreicher neuer Verpflichtungen in das Bayerische Naturschutzgesetz durch das Volksbegehren Artenvielfalt.

12.08.2020

Seither hat Bayern ein deutlich besseres Naturschutzgesetz.  - Doch wie sieht es jetzt mit der Umsetzung aus?

Wird sie den Anliegen des Volksbegehrens gerecht?

Bisher gestaltet sich die Umsetzung des Volksbegehrens durch die bayerische Staatsregierung sehr ernüchternd, in einzelnen Punkten sogar erschreckend schlecht.

Der BUND Naturschutz wird die Umsetzung weiterhin konstruktiv unterstützen, aber eine zu schleppende Realisierung und Fehlentwicklungen deutlich kritisieren.

Die BUND Naturschutz Kreisgruppe Kelheim zieht für den Landkreis Kelheim Bilanz.

„Trotz einer insgesamt schleppenden Umsetzung sind wir nicht unzufrieden, denn durch das Volksbegehren haben die Themen Artenvielfalt und Insektensterben im ganzen Landkreis viel mehr Aufmerksamkeit bekommen und auch bei uns im Landkreis hat sich etwas getan.“

Dass die Bilanz halbwegs positiv ausfällt hat sicher viel mit der jahrzehntelangen Arbeit des Landschaftspflegeverband  Kelheim im Arten und Biotopschutz  zu tun. Derzeit werden von ihm auf 850 ha gezielt Artenschutz- und Biotopentwicklungsmaßnahmen durchgeführt.

Hinzu kommen zahlreiche, oft modellhafte Umwelt- und Naturschutzprojekte – zum Beispiel

Unterstützung und Beratung bei VNP und Agrarumweltmaßnahmen, Projekt „bodenständig“,

„bunte Bauerwiesen – bunte Bauernäcker“, „ Der Landkreis blüht auf“ und ganz aktuell das  EH – DA Flächen Projekt für alle 24 Kommunen im Landkreis Kelheim. Der Anstoß dafür kam nicht zuletzt von der BN Kreisgruppe Kelheim.

Auf der Habenseite sind jetzt auch noch 1060 ha nutzungsfreie Naturwaldschutzgebiete um das Nationale Naturmonument Weltenburger Enge und im Altmühltal zu verbuchen.

Leider ist aber auch im Landkreis Kelheim nicht alles Bestens!

Dringenden Handlungsbedarfsieht die BN Kreisgruppe u.a. noch bei der Verpflichtung zur Schaffung von 10 % Biotopverbund im Offenland, bei dem Flächenverbrauch und dem Umgang und Gestaltung von Ersatz und Ausgleichsflächen.

Eine besonders wichtige Rolle für den Arten- und Naturschutz spielt auch die Schaffung der im Gesetz vorgesehenen 5m breiten Gewässerrandstreifen an den natürlichen Gewässern!

Wildlebensraumberater (Zusammenlegung der AELF Ämter Landshut /Abensberg?) und Biodiversitätsberater an der  Unteren Naturschutzbehörde wird es wohl bei uns nicht geben. Weiterhin braucht es nach wie vor dringend eine deutliche Verringerung von Dünger und Pestizideinsatzes. Im Bereich Ökologischer Landbau sind zwar derzeit 11 Betriebe in der Umstellung, wir werden aber noch lange Schlusslicht in Niederbayern bleiben.

Über das Volksbegehren hinaus werden uns auch zunehmenden die negativen Auswirkungen der Klimakrise wie zum Beispiel das Waldsterben 2.0 und die Extremen bei Starkregen und Dürren beschäftigen.

Immer mehr Plastik in  unserer Landschaft, der Wettlauf ums Wasser und die Konkurrenz zwischen Energie (Biogas, PV) und Nahrungsmittelerzeugung sind weitere zukünftige Probleme.

Die BN Kreisgruppe Kelheim wird weiterhin gefragt sein vor Ort die Umsetzung des  Volksbegehrens Artenschutz einzufordern. Gerade auf kommunaler Ebene können und müssen die

wichtigen  Weichen für den Schutz der Biodiversität gestellt werden.

Der BN hat die Umsetzung des Volksbegehrens bayernweit in Form einer Ampel bewertet: https://www.bund-naturschutz.de/volksbegehren-artenvielfalt-aktueller-stand.html